"Hans Ketterings von Yellowstar, und Hans Hulsinga, als Logistik- und Lieferkettenexperte mit der UC Group, schreiben sich gegenseitig E-Mails zu Logistikthemen, die sie beide beschäftigen."

Lieber Hans H.,

kennst du die Pyramide von Maslow? Sie beschreibt deine und meine Bedürfnisse in einer Reihe von logisch aufeinander aufbauenden Stufen. Zuerst brauchst du etwas zu essen, dann benötigst du Sicherheit und Schutz, danach kommen soziale Kontakte und schließlich die Selbstverwirklichung. Und nein, du kannst keinen Schritt überspringen. Du gehst zum Beispiel nicht gemütlich mit Freunden auf Tour, während du großen Hunger hast. Das versteht jeder, außer wenn es um Automatisierung geht.

Dort gibt es auch ein Stufenmodell, diesmal von Nolan. Er beschreibt sechs Entwicklungsstufen, die ein Unternehmen durchlaufen muss. Es beginnt mit einem Adidas-Netzwerk, über MS Office, bis zu einer Insel-App-Umgebung. Danach folgen ein integriertes Gesamtsystem und Managementinformationen. Die höchste Stufe ist ein entscheidungsunterstützendes System. Auch hier ist von einer klaren Hierarchie die Rede. Jeder Wachstumsschritt in der IT-Ausreifung bringt das Unternehmen auf ein höheres Produktivitätsniveau.

Ebenso wie bei der sozialen Ebene von Maslow muss man bei Nolan eigentlich mindestens die Integrationsstufe (Stufe 4) erreicht haben, um gut in der Kette zusammenarbeiten zu können. Schließlich möchte man seinen Kunden gute und korrekte Daten anbieten und in einen Dialog treten, der „von außen nach innen“ gedacht ist. Im Laufe der Jahre wurden von Softwarefirmen zum Glück ausreichend Lösungen gefunden, um einen Fuhrunternehmer oder Verlader bei der Automatisierung zu unterstützen. Denken Sie z.B. an einen ESB (Enterprise Service Bus), eine digitale Steckerleiste zum Verbinden von internen und externen Systemen. Dadurch ist der erste Schritt hin zur Kettenkooperation problemlos gemacht.

Sowohl bei Fuhrunternehmen als auch bei Verladern sehe ich noch viel Verbesserungspotenzial. Häufige Fehler, denen ich begegnet bin:

  • Kundenportal auf einer Teillösung
  • Moderne Planungslösung, um eine Excel-Planungsumgebung zu ersetzen
  • Control Tower auf einer desintegrierten Applikations-Landschaft

Wenn du von einer MS-Office-Umgebung, in der du gewöhnt bist, alles mit Excel, Word und E-Mail zu machen, auf eine vollständig integrierte ERP-Welt umsteigen willst, kannst du von deinen Nutzern kaum Unterstützung erwarten. Das ist einfach ein zu großer Schritt. Wenn du in deinem Unternehmen genug Unterstützung haben willst, dann gib den Nutzern die Chance sich im Sinne des Nolan-Stufenmodells mitzuentwickeln. Die Zeit, in der der beste Fahrer Planer wurde, ist vorbei. Wir sehen, dass das Ausbildungsniveau bei Logistikdienstleistern deutlich wächst. Mehr Fachhochschul- und Universitätsabsolventen. Das gilt nicht nur für die IT-Abteilung, sondern auch für das Management und die Endnutzer. Ein höheres Produktionsniveau kannst du nur mit schrittweisem Wachstum sowohl bei der IT-Ausreifung als auch bei der Teamzusammensetzung erreichen.

Mit freundlichem Gruß

Hans K.

HANS Ketterings

Yellowstar

Lieber Hans K.,

die Pyramiden sind ein gutes Bild. Auch ich musste mit der IT wachsen. Als ich Anfang der 80er-Jahre nach den Sommerferien in die Schule kam, gab es dort auf einmal ein Computerzimmer, voll mit PCs. Benutzen durften es bizarrerweise allerdings nur die Schüler mit einem gymnasialen Leistungskurs, Richard Nolan würde dies beklagen. Die Idee war offensichtlich, dass sich die echten Programmierer unter den Leistungskursschülern befinden, doch Super User sind wir schließlich alle geworden. Ein Grundkursschüler, so wie ich, musste es auf autodidaktische Weise lernen, und mit viel Versuch und Irrtum bin ich als User zu dem geworden, der ich heute bin.

Dieser Lernprozess setzte sich im Berufsleben fort, bis ich meinen ersten Job in der Schifffahrt bekam. Dort wurde ein echter Mainframe genutzt, und alle Konnossemente und Manifeste aus China wurden in das Softpak-System abgetippt, sodass wir sie ausdrucken und der Allgemeinen Erklärung, dem Einfuhrdokument, beilegen konnten. So einen Ablauf kann man sich heute nicht mehr vorstellen, wenn ich sehe wohin sich die IT 2020 in den Unternehmen entwickelt hat.

Und trotzdem sehe ich auch heute noch immer Unternehmen, in denen die Lieferkette zu einem großen Teil mit Outlook und Excel gemanagt wird. Das ist leicht zu bedienen und keine völlig ungewohnte Situation. Häufig funktioniert das gut, bis Wachstum dafür sorgt, dass dieser Prozess an allen Ecken zu knirschen beginnt. Dann ist der nächste Schritt, hin zu einem integrierten IT-System, groß und intern schwer zu verkaufen. IT kostet nun einmal Zeit und Geld und wirft kurzfristig nichts ab. Auf Basis meiner Erfahrung empfehle ich deshalb, sich Zeit zum Überlegen zu nehmen und die Schritte genau zu planen, mit denen man zu einem ausgereiften IT-System kommen will. 

Eine Pyramide war schwer zu bauen, und der gesamte Prozess dauerte 20 bis 30 Jahre. Auch hier ging es darum, sich Zeit zu nehmen, gut zu planen und keine übereilten Entscheidungen zu treffen.

Mit freundlichem Gruß

Hans H.

HANS hulsinga

UC Group